Kinder haben teilweise weite Wege zum nächsten öffentlichen Spielplatz und womöglich ist dort schon viel los. Spielplätze, zu denen sie sicher und eigenständig gehen können, sind die auf ihrem Schulhof. Daher ist es Ziel der Landeshauptstadt München, Schulhöfe auch nach dem Schultag zu öffnen. Dieses Ziel ist auch im integrierten Stadtteilentwicklungskonzept Neuperlachs vom Stadtrat beschlossen worden. Die Grundschule an der Kafkastraße ist momentan die einzige Schule in Neuperlach, die ihren Schulhof zwischen Mai und Oktober zu bestimmten Zeiten für Kinder und Eltern aus der Nachbarschaft zum Spielen in der Freizeit öffnet. Wir haben mit Gerhard Knecht vom Verein Spiellandschaft Stadt und Marion Lang, bis 2025 Schulleitung der Grundschule an der Kafkastraße, zu ihren Erfahrungen mit einem geöffneten Schulhof gesprochen. Gerhard Knecht kennt das Konzept der Schulhoföffnung in München seit Anbeginn. Zusammen mit Mitarbeiter*innen des Referats für Bildung und Sport leitet er seit 1993 den Arbeitskreis „Vom Schulhof zum Spielhof“. Mit dem Spielmobil der Spiel- und Kulturwerkstatt ALEX ist er regelmäßig an der Schule vor Ort. Marion Lang war von September 2017 bis 2025 Schulleitung der Grundschule an der Kafkastraße.
Wieso sollen Schulhöfe über den Schultag hinaus geöffnet sein?
Gerhard Knecht: Die ursprüngliche Idee der Schulhoföffnung war, weitere Flächen für sicheres Spielen zu gewinnen und den Schulhof dafür zu nutzen, beispielsweise geschützt Fahrrad- oder Rollerfahren zu lernen. Es ging also darum, mehr Aktionsflächen für Kinder zu gewinnen. Die Grundidee bestand darin, einen weiteren bekannten und sicheren Ort bereitzustellen, neben anderen Bezugspunkten wie einem Spielplatz, der von Kindern und deren Eltern genutzt werden kann. Es geht bei der Schulhoföffnung auch darum, Schulhöfe attraktiv und interessant zu machen, damit sich die Schüler*innen an den Ort Schule gewöhnen und sich mit diesem mehr identifizieren.
Wer nutzt die geöffneten Schulhöfe?
Gerhard Knecht: Aus meiner Sicht sind das die Grundschulkinder zusammen mit ihren Eltern, insbesondere, wenn die Familien in beengten Wohnverhältnissen leben. Wenn zusätzlich Jugendliche die Schulhöfe ihrer Grundschulen nutzen, die sie ja sehr gut kennen, dann finde ich das prinzipiell gut. Mit dem Alter der Schüler*innen steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass es lauter wird und, dass Grenzen ausgetestet werden. Das kann für die Schulen zu einer Herausforderung werden oder sie gar überfordern. Das in München zuständige Referat für Bildung und Sport hat ein starkes Interesse daran, dass sich mit der Ganztagesbetreuung und der Ganztagsschule die Schule zum Stadtteil öffnet. Im aktuellen Stadtratsbeschluss ist klar festgesetzt, dass sich die Schulhoföffnung an Kinder unter 13 Jahren richtet.
Seit wann ist der Schulhof der Grundschule an der Kafkastraße geöffnet?
Gerhard Knecht: Die Grundschule an der Kafkastraße ist eine Pionierin. Sie ist seit 1992, als der ersten Stadtratsbeschluss zu diesem Thema gefasst wurde, dabei. Damals war die Strategie, die Öffnung einerseits mit zusätzlichen Spielgeräten und andererseits durch regelmäßige offene Spielaktionen zu unterstützen. Davon haben auch wir als Spiellandschaft Stadt viele gemacht und machen das heute noch. Die Angebote verstärken, dass sich dann auch manche Kinder alleine dorthin trauen. Erst kürzlich habe ich beobachtet, wie ein Kind mit seinen Eltern auf dem Verkehrsparcours Fahrradfahren lernte. Das andere Kind spielte mit seinem Vater Federball. Durch die Aktionen erkannten sie, dass der Platz nicht nur von der Schule genutzt wird. So bietet der Schulhof einfach eine weitere Möglichkeit, wo man sich im Stadtteil für bestimmte Tätigkeiten kostenlos und sicher aufhalten kann.
Marion Lang, wie haben Sie die Öffnung zu Beginn wahrgenommen und was sind Ihre Erfahrungen?
Marion Lang: Als ich die Schulleitung übernahm, war der Schulhof bereits geöffnet, jedoch gab es zu Beginn wenige Spielaktionen und der Schulhof war wenig bekannt. Er wurde oft von Jugendlichen, also vermutlich von ehemaligen Schüler*innen, genutzt. Es gab häufiger Vandalismus. Aus diesem Grund wurden die Öffnungszeiten reduziert. An Wochenenden und während der Ferien wurde er geschlossen, und es durfte nur noch der Schulvorhof genutzt werden – nicht mehr das gesamte Schulgelände. Erst später wurde durch die Intensivierung der Spielaktionen die Nutzung nach dem Schultag und die Atmosphäre deutlich verbessert.
Wie sieht eine Spielaktion der Spiellandschaft Stadt auf dem Schulhof aus?
Gerhard Knecht: Wir spielen mit den Kindern. Dafür bringen wir Materialien mit, die sie zu Hause nicht haben oder bauen zusammen mit den Kindern Materialien, die sie zum Spielen nutzen können. In den letzten Jahren sind wir verstärkt mit unserer mobilen kleinen Werkstatt vor Ort, mit der wir dann von Schwirrern bis zu Kreiseln alles selbst bauen. Außerdem haben wir auch attraktive Spielgeräte, wie beispielsweise die Murmelbahn, die aus Alltagsgegenständen aufgebaut wird. Wir haben auch schon in anderen Schulen mit den Kindern Hüpfspiele entworfen und aufgemalt. Dabei sind Dinge entstanden, die dann auch von Kindern späterer Jahrgänge genutzt werden können. 2026 finden unsere Spielaktionen auf dem Schulhof zwischen Mai bis September statt.
Marion Lang: Die Spielaktionen, die regelmäßig von Spiellandschaft Stadt und weiteren Trägern der Kinder- und Jugendarbeit auf dem Schulhof angeboten werden, kommen bei den Schüler*innen sehr gut an. Die Kinder freuen sich über die abwechslungsreichen Angebote, die auch eine gute Ergänzung zum Unterricht darstellen. Die Angebote sorgen für eine lebendige und positive Atmosphäre auf dem Schulhof. Ein weiterer wichtiger Effekt des offenen Schulhofs ist die bessere Vernetzung der Schule mit verschiedenen Akteuren aus dem Stadtteil. So bieten beispielsweise der Verein „Urbanes Wohnen e. V.“ mit der Initiative „Grüne Schul- und Spielhöfe” oder der Kindertreffpunkt Neuperlach Aktionen auf dem Schulhof an. Auch den frei zugänglichen Bücherschrank für Kinder auf dem Schulhof, der über den Verfügungsfonds Neuperlach sowie über den Bezirksausschuss 16 Ramersdorf-Perlach finanziert wurde, gäbe es sonst nicht bei uns. Er wird von den Kindern und Familien sehr gut angenommen und somit wird bei uns mehr gelesen.
Wie können Schüler*innen noch mehr von der Öffnung profitieren?
Marion Lang: Ich finde es gut, die Schulhöfe zu öffnen und den eingeschlagenen Weg richtig. Es könnte noch mehr Programm auf dem Schulhof stattfinden: offenes Sport- und Spielprogramm, Flohmärkte, – dafür brauchen wir noch mehr Partner*innen aus dem Stadtteil. Es wäre hilfreich, nach der Öffnung des Pausenhofs einen Sicherheits- und Absperrdienst einzusetzen. Dieser könnte die Hausmeister, die aktuell die ganze Verantwortung tragen, entlasten und gleichzeitig dazu beitragen, Vandalismus vorzubeugen. So kann gewährleistet werden, dass der Schulhof als sicherer und attraktiver Ort erhalten bleibt und die Schüler*innen noch mehr von der Öffnung profitieren.
Gerhard Knecht: In der Kafkaschule testen wir gerade die Idee einer Patenschaft. Sie soll bei der Koordination von vielfältigen Angeboten unterstützen. Ziel ist es, dass weitere Akteure und Nachbar*innen den Schulhof für Aktionen nutzen können. Die Etablierung der Spiel- und Kulturwerkstatt ALEX im Alexisquartier hat dazu geführt, dass wir als Spiellandschaft Stadt stadtteilbezogener arbeiten. Wir wollen unsere Aktionen in den Stadtteil einbinden und den Schulhof als Ort gestalten, der für Kinder und ihre Eltern Möglichkeiten bietet, dort selbst etwas zu spielen und zu gestalten. Deshalb sollte der Schulhof meiner Meinung nach als offene Fläche zur Verfügung stehen, nicht als Ort, zu dem man nur gelangt, wenn man durch irgendwelche Türen in Gebäude hineingeht. Und trotzdem soll der Schulhof einen geschützten Rahmen bieten und als sicherer Ort für Spiel und Begegnung zu bestimmten Zeiten im Stadtteil gestaltet sein.
Können sich Nachbar*innen engagieren?
Gerhard Knecht: Wir haben einen regelmäßigen Arbeitskreis an der Schule etabliert. Dort sind die Schulleitung, die Mittagsbetreuung, interessierte Lehrkräfte, das Stadtteilmanagement und verschiedene Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit vertreten. Interessierte können hier jederzeit gerne mit ihren Ideen dazustoßen. Wer dem Arbeitskreis beitreten will, kann sich beim Stadtteilmanagement im Quidde35 melden. Hier können solche Aktionen koordiniert werden, um gemeinsam etwas für den Stadtteil zu tun. Der Arbeitskreis schafft einen Rahmen für Absprachen, sodass einzelne oder Gruppen etwas auf diesem Schulhof gestalten, pflegen und verändern können. Alle, die die Fläche nutzen wollen, können so im Austausch sein, und auch etwaige Probleme lösen.
Florian Mayr – MGS Stadtteilmanagement Neuperlach
Der Schulhof ist von Mai bis Oktober geöffnet:
Montag – Donnerstag, 16 – 20 Uhr
Freitag, 15 – 20 Uhr
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Die Stadtteilzeitung Neuperlach informiert zweimal im Jahr über die Stadtteilsanierung Neuperlachs. Ziel der Stadtteilzeitung ist es, kommunales Handeln in der Stadtteilentwicklung zu erläutern. Berichtet wird über Themen, die den Sanierungszielen des integrierten Stadtteilentwicklungskonzepts Neuperlach dienen. Dabei stellen Projekträger*innen ihre Arbeiten aus erster Hand vor.
Die Stadtteilzeitung Neuperlach erscheint in einer Auflage von ca. 11.000 Stück, wird im Sanierungsgebiet Neuperlach Nord kostenfrei an alle Haushalte verteilt und liegt in Gemeinbedarfseinrichtungen in Neuperlach aus.
Die Stadtteilzeitung Neuperlach wird herausgegeben von der Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung (MGS) im Auftrag des Referats für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München. Die Redaktion übernimmt das MGS Stadtteilmanagement Neuperlach im Quidde35 – Raum für Stadtsanierung. Die Redaktion behält sich vor Beiträge zu kürzen oder abzulehnen. Es besteht kein Anspruch auf Publikation.